Hans Theodor Flemming, Hamburg

 

 

Vorwort zu Hélène de Beauvoir, Katalog Ausstellung Malerei und Gravures, Hamburg 1968, wieder gedruckt als Vorwort zum Katalog „La Passerelle mai 1982“. Gravures, Imprimerie Roland Dubroca, Paris

 

 

 

Hélène de Beauvoir ist eine Malerin von großer Kultur. ihr Elan, ihre Imagination führen uns in eine Welt reicher und mannigfacher Visionen. In ihren Aquarellen wie auch in ihren Gravures drückt sie sich in Linienführungen und Farben aus, die an rhythmisierte Kaskaden, an geschmeidige Bewegungen erinnern.

 

Dank der Technik, derer sie sich intuitiv bedient, immer mit geschärftem Sinn für die Form, lässt sie jene skizzenhaften Schatten erscheinen, jene Tiere, jene Blumen und Pflanzen wie auch jene Fabelwesen, deren Bedeutung sich dem Betrachter erst auf dem zweiten Blick erschließt.

 

Die Szene wird beherrscht von doppelsinnigen Metamorphosen, von mythischen Erinnerungen wie der Entführung der Europa. Es erscheinen Leda und Penelope, wie auch der Harlekin mit seiner Schar und nehmen poetische Form am. Die Orangenbäume blühen an den Gestanden de Mittelmeers, die Rose und der Schmetterling verbinden sich zu einem Gesang aus Farben. Im Urwald treffen sich Eva und die Giraffe; dort ist ein schwarzer Panther, der träumt und Legenden voll schillernden Farben nahe legt. Albträume vermitteln Abgründe... aber die Morgenröte gießt ihr milde Klarheit über die Erzählungen der Feen.

 

In dem weiten Feld zwischen Surrealismus und Tachismus entwickelt Hélène de Beauvoir ihren eigenen Stil. Ihre durchsichtigen Aquarelle auf Japanpapier lassen an die Kunst des Fernen Ostens denken; der präzise Stil ihrer Gravures hingegen lässt dem Esprit von Braque aufleben, erinnert an Masson. Aber - in jeder künstlerischen Äußerung von Hélène de Beauvoir herrscht die typisch französische Harmonie von Intuition und Intellekt.

 

Übersetzung: Dr. Martin Murtfeld