Le Consul général de France Graham Paul rechts beim Empfang der Galeristen Hammer in der französischen Residenz de France in München mit Redner Ministerpräsident Edmund Stoiber  am 14. Juli 2007 zum franz. Nationalfeiertag.

Rede des Gesandten der französischen Botschaft Paul Graham anlässlich der Ausstellungseröffnung Hélène de Beauvoirs in der Fasanengalerie und im französischen Kulturinstitut in Berlin 2008

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Ich möchte zunächst Frau Ulrike Erben von der Fasanengalerie und Herrn Ludwig Hammer für ihre freundliche Einladung danken, und ich freue mich, dass mir die Gelegenheit gegeben ist, zur Eröffnung der Ausstellung von Hélène de Beauvoirs Werken das Wort zu ergreifen.

Hélène de Beauvoir ist zwar weniger bekannt als ihre Schwester, deren
100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern (mehr als 1 Million Einträge bei Google zu ihr, 277000 zu Hélène), sie ist dennoch eine der aufregendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts; eine Künstlerin, die ihre Zeit mit ihrer Originalität auf ganz besondere Weise geprägt hat. Das Werk von Hélène de Beauvoir bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion; es widersteht jedem Kategorisierungsversuch. Jean-Paul Satre sagte, dass sie “zwischen den vergeblichen Zwängen der Nachahmung und der Dürre der reinen Abstraktion ihren  Weg gefunden hat”.

Bereits als sehr junges Mädchen sucht sie diesen Weg und findet ihn im Studium von Kupferstich und Malerei. Im Jahr 1936 stellt Hélène de Beauvoir mit 25 Jahren in der Galerie Bonjean in Paris aus. Ihr  farbenfroher Stil entwickelt sich im Laufe ihrer Aufenthalte im Ausland weiter, in Portugal während des Krieges, Wien, Belgrad, Casablanca und Mailand, wohin sie ihrem Ehemann, dem Diplomaten und Kulturmenschen Lionel de Roulet, folgt, bevor sie sich im Elsass niederlassen.

Hélène de Beauvoirs Werk ist sehr persönlich und vielgestaltig. Es besticht durch Harmonie und Wahrhaftigkeit, durch die Fähigkeit der Künstlerin, Dinge heraufzubeschwören - zart und schlicht, und ganz authentisch. Es beschönigt nicht. Bei der Eröffnung der Ausstellung in Brest vergleicht Jean-Paul Satre den Eindruck, den die Bilder Hélène de Beauvoirs hinterlassen, mit dem merkwürdigen Grinsen der Katze aus “Alice im Wunderland”, das noch sichtbar bleibt, als das Tier selbst schon verschwunden ist.

Hélène de Beauvoirs Werk ist sehr persönlich und vielgestaltig. Es ist das Werk einer modernen, engagierten Frau, die die Natur und die Farben malt, aber auch Männer,  Frauen und die Übel der Gesellschaft. Sie ist, wie ihre Schwester, eine engagierte Künstlerin. Die Bilderreihe zum Thema Mai 1968 “le joli mois de mai” wird deshalb zunächst im Moulin Rouge gezeigt. Als freiheitsliebende Frau gründet sie in den 70er Jahren das Zentrum Flora Tristan für misshandelte Frauen, dessen Vorsitzende sie viele Jahre lang war.

Hélène de Beauvoir hat mehr als 3000 farbenprächtige und ausdrucksstarke Werke hinterlassen. Ihre Bilder wurden in allen Ländern der Welt und in den namhaftesten Kultureinrichtungen gezeigt: von Tokio über Paris bis New York. Heute genießt das Werk von Hélène de Beauvoir weltweit ein hohes Ansehen.

In Deutschland erlangte Hélène de Beauvoir vor vielen Jahren  Bekanntheit und Anerkennung dank Ludwig Hammer, der sie auf dem Schiff von Yokohama nach Russland kennen lernte. Die heutige Ausstellung verdanken wir dieser wunderbaren Freundschaft zwischen einer französischen Künstlerin und einem deutschen Galeristen.

Deshalb freue ich mich ganz besonders, heute bei Ihnen zu sein, um mit Ihnen zusammen die Werke von Hélène de Beauvoir zu bewundern und an einem Ereignis teilzunehmen, das im Zeichen des Austauschs zwischen unseren beiden Ländern und der deutsch-französischen Freundschaft steht.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, viel Spaß und der Ausstellung viel Erfolg.