Für eine so begabte Malerin wie Helene de Beauvoir geht es beim Malen von Bildern nicht darum, Probleme zu lösen. Was wichtiger ist: sie macht Entdeckungen. Sie ist fasziniert vom Licht. Sicherlich ahnen wir, dass sie manchmal versucht, Dinge zu vereinfachen: manchmal gerät sie sogar fast in Gefahr, besonders nüchtern zu gestalten, aus Angst zu sehr zu lieben, was sie gesehen hat. Sie bemüht sich mit Erfolg, die Beliebigkeit zu vermeiden, die wir oft "Grazie" oder "das Grazile" nennen, das im ersten Moment besticht.Indessen findet sie zur Strenge, ohne ihre Empfindsamkeit dadurch zu lähmen. Die fünfunddreißig Ölbilder und die zwölf Graphiken, die sie ausstellt, zeigen uns zunächst, dass sie mutig ist. Sie schummelt nicht - was bei einem Maler selten ist - bei ihrem künstlerischen Thema. Man spürt, dass sie bei aller Leidenschaft für die Malerei ihr Handwerk sehr sicher gelernt hat. Kann man angesichts dieser ein wenig wagemutigen Freude der Künstlerin gefühllos bleiben, die sich der technischen Schwierigkeiten, die sich ihr entgegenstellen, durchaus bewusst ist und diese lustvoll überwindet? Was ihre Malerpersönlichkeit vor allem charakterisiert, das ist die ungewöhnliche Kraft des Aufbaus in ihren Ölbildern und Graphiken. Man könnte zurecht glauben, so scheint mir, dass sie mit einem Schlag alle Elemente ihres Werks beherrscht. So gelingt es ihr, sofort eine Ausgewogenheit zu schaffen. Obwohl sie das durchaus nicht spielerisch meint, gesteht Hélène de Beauvoir ein, dass ihre Bilder eigentlich nicht modellhaft gedacht sind. Sie sieht sie als besondere Schöpfungen an, die keine andere Daseinsberechtigung haben als dass sie ohne Hintergedanken konzipiert wurden. Der Künstler, davon ist Hélène de Beauvoir überzeugt, muss weder etwas beweisen noch etwas erklären, sondern nur etwas in den Raum stellen. So zeigt uns diese Ausstellung, die nur einen kleinen Teil des Werks der Künstlerin versammelt, die nur einen Lebensabschnitt, den sie in Marokko verbracht hat, widerspiegelt, besser als eine überbordende Gesamtschau, was ihre Begabung so anziehend und so selten macht: wir erleben dabei mehr als die Qualität eines zufällig entstandenen Blattes, sondern wir spüren etwas von der Künstlerpersönlichkeit. Niemandem, der diese wenigen Ölbilder und Graphiken bewundert, wird es entgehen, dass wir nicht nur das derzeit ausgestellte Werk wertschätzen, sondern uns viel von dem erwarten dürfen, was Hélène de Beauvoir in Zukunft malen wird.

 

Phillipe Soupault eröffnete die Ausstellung von Hélène de Beauvoir in der Galerie 55, Rue de Seine, Paris am 12.02.1951